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Laschet, Scholz und Klopps Brille: TV-Sender Bild gestartet

Julian Reichelt, Chefredakteur «Bild», im Studio.. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Jörg Carstensen/dpa)
Deutschlands größte Boulevardmarke Bild hat jetzt einen eigenen TV-Sender. Er tritt in Konkurrenz mit den Newssendern.

Wenige Wochen vor der Bundestagswahl hat Deutschlands bekannteste Boulevardmarke Bild ihren gleichnamigen TV-Sender gestartet. Am ersten Sendetag gab es am Sonntagabend zwei Interviews mit den Kanzlerkandidaten Armin Laschet (CDU) und Olaf Scholz (SPD) – das Ganze war Teil einer «Kanzler-Nacht» im TV-Programm. Eine neue Umfrage sah CDU/CSU und SPD mittlerweile gleichauf bei jeweils 22 Prozent.

In einem Spezial des Talkformats «Die richtigen Fragen» sprach «Bild»-Vize Paul Ronzheimer ab 20.15 Uhr zuerst mit Laschet unter anderem über das Afghanistan-Debakel («Wenn ich das heute sehe, hätte ich da auch engagierter eingreifen müssen.») und über den Bundestagswahlkampf («Wir merken jetzt, es ist knapp.»). Laschet verriet im Verlauf auch, dass er nur fünf bis sechs Stunden schlafe und seine Frau sich darüber wundere.

Ronzheimer überreichte Laschet auch eine Deutschlandflagge, um über das Thema Patriotismus zu sprechen. In dem Talkformat kommt Ähnliches häufiger vor: Vor Monaten präsentierte Ronzheimer einmal in einem Gespräch mit Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock ein riesiges Steak zum Thema Grillen.

Flankiert wurde das Interview im Studio durch eine Zuschauerrunde mit Ex-Boxerin Regina Halmich, Ex-Fußballmanager Reiner Calmund sowie einer Bar-Betreiberin und einem Fleischer, die das Ganze bewerteten.

Danach sprach «Bild»-Moderator Kai Weise ab 21.45 Uhr mit SPD-Politiker Scholz. Er sagte zur neuesten Umfrage, er sei überzeugt, dass die SPD ein gutes und zuversichtliches Programm für die Zukunft habe. Auch ihm wurde eine Deutschlandflagge überreicht.

Das frei empfangbare TV-Programm begann um 9.00 Uhr zunächst mit einem Vorschau-Clip zum eigenen Profil des Senders, danach folgte die erste Sportsendung «Die Lage der Liga». Studiogast war der Sport-Geschäftsführer von Hertha BSC, Fredi Bobic.

Die Sendung moderierten die langjährigen «Bild»-Sportexperten Walter M. Straten und Alfred Draxler. Straten sagte zu Sendungsbeginn: «Hallo Deutschland, da sind wir. Bild auf Papier kennen Sie, Bild Digital kennen Sie auch und jetzt sind wir wirklich im Fernsehen gelandet. Und den Anfang macht, wie es sich für Bild gehört, der Sport. Wir sind sozusagen der Neil Armstrong von Bild im Fernsehen.»

Die ersten Programmstunden waren von Fußball bestimmt. Liverpools Trainer Jürgen Klopp wurde per Video in eine der Sportsendungen zugeschaltet. Neben Sportthemen plauderte er auch darüber, warum er zurzeit keine Brille trägt, die er bislang als stark Kurzsichtiger benötigte. Dies sei derzeit nach einem Eingriff an den Augen nicht mehr nötig, sagte Klopp.

Deutschlands größte Boulevardzeitung will mit dem TV-Newssender Live-Berichterstattung, Dokus, Reportagen und Talks anbieten. Herzstück des Programms wird unter der Woche die Sendung «Bild Live» von 9 bis 14 Uhr sein. Sonntags gibt es einen Sport-Schwerpunkt. Der Medienkonzern Axel Springer hat mit Bild nun drei TV-Sender im Portfolio. Die anderen beiden Sender sind Welt und N24 Doku. Der TV-Sender Bild soll über TV-Werbeeinnahmen finanziert werden. Im Programm des ersten Sendetags waren bereits Werbeblöcke zu sehen.

Am Nachmittag sah der Zuschauer Wiederholungen der Sportsendungen vom Morgen, dann folgten Dokus, darunter eine über Tornados. Währenddessen wurden immer wieder Info-Bänder mit aktuellen Nachrichten eingeblendet.

Bild-Programmchef Claus Strunz sagte der Deutschen Presse-Agentur vor dem TV-Start über die Sendung «Bild Live»: «Wir werden diese Strecke als Ankerplatz benutzen, aber wir gehen danach nicht in den Doku-Schlummer.» Zwar sende man Dokus, man sei aber quasi immer auf Live-Modus, wenn etwas Außergewöhnliches zu anderen Zeiten des Tages passiere. «So dass eine Sogwirkung entsteht und man den Sender am besten immer laufen lässt, weil man sonst etwas Wichtiges verpasst. Das ist die eigentliche Idee.»

Als Zielgruppe nannte der Programmchef «alle», zugleich ergänzte er: «Wir wissen, dass wir in der Tendenz, wenn wir die Menschen adressieren, die die Marke Bild bereits nutzen, eher mehr Männer als Frauen erreichen. Deshalb setzen wir in unserem Programm auch viel auf Sport.»