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Fußball, Emotionen und das Wunder der «Ted Lasso»-Methode

Optimistisch und beherzt Dinge anpacken: Jason Sudeikis ist Ted Lasso. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Colin Hutton/Apple TV+/dpa)
Endlich wieder Neues vom AFC Richmond rund um den daueroptimistischen Fußballtrainer. Ein Team mit Herz, Hingabe und großen Ambitionen - und besten Chancen auf den letzten Tabellenplatz. Oder doch nicht?

Fußball ist ein millionenschweres Geschäft. Gekämpft wird längst nicht mehr nur um Tore, sondern auch um Spieler, Werbeverträge und TV-Übertragungsrechte. Wie schön, dass es in all dem Kommerz noch den AFC Richmond gibt. Denn Coach Ted Lasso kann mit dem Rummel nichts anfangen, ist er doch eigentlich Football-Trainer aus den USA.

Von Fußball hat er so gut wie gar keine Ahnung, als er nach England kommt, um das mittelmäßige Team des Premier-League-Clubs zu trainieren. Im Sommer 2020 startete «Ted Lasso» in Deutschland und spielte sich in die Herzen der Zuschauer. Nun ist die preisgekrönte Serie zurück. Am Mittwoch (15. März) startet Staffel 3 bei Apple TV+.

In Staffel eins kämpft der eindrücklich von Jason Sudeikis («Wir sind die Millers») gespielte Ted darum, im fußballverrückten England als Trainer anerkannt zu werden. In Staffel zwei muss er erkennen, dass auch ein Ted Lasso Probleme haben kann, Panikattacken zum Beispiel. Auch in Staffel drei muss der Daueroptimist viel aushalten. Besonders schmerzhaft: Trainer-Naturtalent Nate hat ihn im Streit verlassen. Künftig bringt er seine genialen Tricks den Spielern von West Ham United bei.

Parole: «Believe»

Die Greyhounds vom AFC Richmond schaffen es nach Meinung der Medien wohl nur auf den letzten Tabellenplatz. Doch Ted gibt die Parole aus: «Believe», Glauben. An sich selbst, an die Spieler, die Mannschaft und den Sieg, wenn auch mit unkonventionellen Methoden.

Alle sind sie wieder vereint. Der wortkarge, höchst belesene Beard (Brendan Hunt), der mit dem äußerst reizbaren Roy Kent (Brett Goldstein) das Training unterstützt. Die umtriebige Keeley (Juno Temple), die ihre eigene PR-Agentur hat. Und die ambitionierte Rebecca Welton (Hannah Waddingham), die es ihrem Ex immer noch heimzahlen will und die in den neuen Folgen groß rauskommt, als «feisty Welton», angriffslustige Welton, wie Waddingham beschreibt. Und natürlich Nate, der von der nahezu unsichtbaren Hilfskraft zum «Wunderkind» aufgestiegen ist, sich aber sichtlich unwohl fühlt in der Rolle, sehr überzeugend gespielt von Nick Mohammed.

«Ted Lasso» bietet all das, was man bei vielen Serien vermisst. Ein hervorragendes Ensemble, das mit Freude spielt. Eine unterhaltsame Geschichte, die lustige, gefühlvolle und melancholische Momente gekonnt vereint. Und temporeiche Drehbücher mit wunderbarem Wortwitz. Wer des Englischen mächtig ist, sollte sich die Serie im Original ansehen. Denn viele der pointierten Dialoge sind viel lustiger im Englischen, geht doch in der Übersetzung einiges an Schlagfertigkeit und Feinheiten des Humors verloren.

Dass die Serie so beliebt ist und mit gleich elf Emmy Awards geehrt wurde, liegt nicht zuletzt an den Sprüchen. Ganze Zitateseiten gibt es im Internet. Und im Computerspiel «Fifa 23» können Zocker ihre Teams auch mit Richmond-Spielern wie Roy Kent, Sam Obisanya, Jamie Tartt oder Dani Rojas bestücken.

Jason Sudeikis: «Ich werde Coach genannt»

Für Sudeikis, der auch Ideengeber, Mitproduzent und teilweise auch Drehbuchautor ist, ist der Ruhm eine mitunter bizarre Erfahrung. Die Leute reagierten auf die Schauspieler wie auf ein echtes Fußballteam, erzählte er kurz vor dem Start der neuen Staffel in einer Pressekonferenz. «Und ich werde Coach genannt, sehr aufregend. Ich weiß nicht, ob die Leute von «Grey’s Anatomy» auch Doktor gerufen werden.»

Das Erfolgsgeheimnis? «Wir machens auf die Lasso-Methode», sagt Rebecca irgendwann in der Serie. Optimistisch und beherzt Dinge anpacken. Rebecca-Darstellerin Waddingham beherzigt das inzwischen auch privat, wie sie in der Pressekonferenz sagte: «Der Versuch, nach der Ted-Lasso-Art zu leben, ist inzwischen fester Bestandteil meines Lebens geworden».

Von Cordula Dieckmann, dpa