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Es sind wieder Stars im Sommerhaus

Mola Adebisi gehört zu den prominenten Sommerhaus-Bewohnern. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Henning Kaiser/dpa)
Die Reality-TV-Gemeinde horcht auf: Promis ziehen wieder ins «Sommerhaus der Stars». Warum setzt RTL weiter auf das Format in Zeiten, in denen der Ruf solcher Shows gelitten hat?

Bei RTL ziehen gerade wieder Promi-Paare in ein Bauernhaus in Bocholt in Nordrhein-Westfalen ein – umgeben von Wiesen und mit Kühen als Nachbarn.

Ein Haus mit durchgelegenen Matratzen, viel Nippes, gekacheltem Bad im 60er-Jahre-Look, ausgestopften Vögeln an den Wänden, einer Hollywood-Schaukel und schiefem Gartentürchen. So zumindest sah das in der vergangenen Staffel aus. Wegen der Corona-Pandemie blieben die Stars in Deutschland. Nun ist es zum zweiten Mal Bocholt geworden. Im Herbst soll die sechste Staffel im TV zu sehen sein.

Das Wichtigste in der Sendung, bei der Promi-Paare gegeneinander in Spielen antreten und sich nach und nach rauswählen, ist der Cast: Moderator Mola Adebisi (48) – der beim Musiksender «Viva» richtig bekannt wurde – und Adelina Zilai (33) sind dabei. Ebenso das Unternehmerpaar Elisabeth Marie Hofbauer (25) und Benjamin Ryan Melzer (34). Melzer ist auch als Transgender-Model bekannt. Der Schauspieler Lars Steinhöfel (35, RTL-Serie «Unter uns») und Dominik Schmitt (31) sind dabei. Nach RTL-Angaben ist es das zweite homosexuelle Paar in dem Format.

Außerdem: Schauspielerin Michelle Monballijn (42) und der Reality-TV-Star Mike Cees-Monballijn (33). Die «Goodbye Deutschland»-Auswanderer Peggy Jerofke (45) und Stephan Jerkel (53), der Schauspieler und Theaterregisseur Roland Heitz (63) und die Schauspielerin und Musicaldarstellerin Janina Korn (37). Komplettiert wird das ganze durch das Reality-TV-Paar («Love Island») Samira (24) und Yasin Cilingir (30) sowie Partyschlagersänger Almklausi (52) und dessen Frau Maritta (35).

Bis an die Grenze

Reality-TV kann hart sein. Da sieht man etwa, wie ein mehr oder weniger Prominenter einem anderen vor Wut ins Gesicht spuckt («Sommerhaus der Stars») – und dann prompt rausfliegt. Oder Désirée Nick und Modeladen-Besitzerin Claudia Obert schreien sich bei «Promis unter Palmen» am Strand von Thailand so sehr an, dass Bewohner vorsichtshalber dazwischen gehen.

Was wurde schon gemobbt, geweint, intrigiert bei den TV-Formaten, die sich nah an der Realität präsentieren. Millionen Deutsche verfolgen diese Shows seit Jahren. Reality-TV funktioniert bis heute. Für private TV-Sender sind sie schon lange eine feste Größe im Programm.

Doch der Ruf hat – trotz Fangemeinde – gelitten. Sat.1 räumte vor kurzem im Reality-Bereich auf und warf gleich zwei Shows aus dem Programm: «Promis unter Palmen» und «Plötzlich arm, plötzlich reich.» Daniel Rosemann, der seit Mitte Mai neben ProSieben auch Sat.1 verantwortet, machte jedoch auch klar: «Das heißt aber nicht, dass Sat.1 damit das Genre Reality-TV beerdigt.» Von «Promi Big Brother» etwa werde es im Sommer eine neue Staffel geben.

Das Ganze fällt in eine Zeit, in der die beiden großen privaten TV-Mediengruppen im Bereich Nachrichten aufstocken. Wie die öffentlich-rechtlichen TV-Sender verspürten sie das große Informationsbedürfnis der Bevölkerung inmitten der Pandemie. Es geht den privaten Sendergruppen zudem um Inhalte mit gesellschaftlichem Mehrwert, die sie präsentieren wollen. Auch Familienfreundlichkeit ist ein Thema.

RTL will mehr Humor im Reality-TV

Wie passt da ein Reality-Format rein, das im vergangenen Jahr Eskalationen brachte? Im dpa-Gespräch sagt RTL-Unterhaltungschef Kai Sturm zur neuen Sommerhaus-Staffel: «Der Cast ist vielfältig, wir haben sehr unterschiedliche Paarkonstellationen mit deutlich weniger Konfliktpotenzial.» In dieser Staffel werde die Qualität des Sommerhauses in erster Linie darin bestehen, Einblick in unterschiedlichste Paarbeziehungen zu geben. Das Ganze ist «große Unterhaltung in all ihren Facetten». Und der Unterhaltungschef betont: «Das Thema Humor soll eine stärkere Rolle spielen in diesem Jahr.»

Die Produzentin des Formats und Geschäftsführerin von Seapoint, Nina Klink, sagt: «Wir besinnen uns auf die Stärken des preisgekrönten Formats und schauen mit Spannung auf unterschiedliche Beziehungsmodelle. Wie sie miteinander in der Gruppe, aber auch untereinander als Paar umgehen – ob Mann und Frau oder Mann und Mann.»

2020 gewann das Format in der Kategorie «Beste Unterhaltung Reality» den Deutschen Fernsehpreis. Sturm ergänzt: «Wir haben intensiv diskutiert, ob wir neue Regeln einführen im Sommerhaus. Und haben uns dagegen entschieden. Denn was macht eigentlich gutes Reality-Fernsehen aus? Menschen in einen bestimmten Rahmen einzuladen, um ihnen dort so viel Freiheit wie möglich zu geben.»

Dass es beim letzten Mal schon am ersten Tag mit der Spuck-Szene und übermäßigem Alkoholkonsum eskalierte, führt Sturm zum Teil auch auf die Corona-Pandemie zurück. Die Stars seien vor ihrem Einzug bereits 14 Tage komplett isoliert in Quarantäne gewesen. Zum ersten Tag im Sommerhaus sagt er: «Die Paare waren damals emotional sehr aufgeladen – im positiven wie im negativen Sinne. Sie kamen aus der Isolierung und hatten plötzlich wieder Gesellschaft.» Der Unterhaltungschef betont auch: «Das haben wir unterschätzt. Das ist in diesem Jahr anders.» In diesem Jahr gibt es den Angaben zufolge vor dem Einzug eine siebentägige kontaktreduzierte Zeit.

Hoffen auf packende Geschichten

Zum Staraufgebot sagt Klink: «Das ist ein Cast, den wir größtenteils noch nicht von anderen Reality-Formaten kennen. Spannendere Charaktere mit interessanten Lebensmodellen – ich bin sicher, sie werden uns mit packenden Geschichten perfekt unterhalten.

Klink und ihr Team produzieren auch seit 16 Jahren das RTL-Erfolgsformat «Let’s Dance», das für den Sender nach RTL-Angaben zu einer «Institution» geworden ist. Was die Tanzshow mit dem Sommerhaus verbinde? «Bei beiden Formaten sind wir nah an der Wirklichkeit, nah an dem, was passiert», sagt die Produzentin. Sturm ergänzt: «Wir wollen Geschichten von echten Menschen erzählen, die sich Herausforderungen stellen – in Konstellationen, die sie nicht gewohnt sind.»

Von Anna Ringle, dpa